Ich brauch' Tapetenwechsel...
Ein Hildegard Knef - Abend mit Gabi Kinsky und Band
 

 

Eine Diva mit Bodenhaftung

 

Hildegard Knef, am 28.Dezember 1925 in Ulm geboren, zieht, nachdem der Vater ein halbes Jahr später stirbt, mit ihrer Mutter nach Berlin, wo sie meist bei den Großeltern aufwächst. Ab 1942 absolviert sie eine Ausbildung als Trickfilmzeichnerin bei der UFA, doch schon 2 Jahre später steht sie erstmals selbst vor der Kamera. „Die Mörder sind unter uns“, der 1946 entstandene DEFA-Film, macht Hildegard Knef über Nacht international berühmt. Durch die Heirat mit Kurt Hirsch, einem amerikanischen Juden und Assistent von Erich Pommer von der UFA, muss sie innerhalb von vier Wochen das Land verlassen, wird amerikanische Staatsbürgerin und Hollywood gibt ihr einen 7-Jahresvertrag – allerdings ohne eine einzige Rolle...


                                        “Ich jogge nicht, ich laufe jeden Tag Amok“


 Zurück in Deutschland sorgt der 1950 gedrehte Film „Die Sünderin“ für einen handfesten Skandal. Im Nachkriegsdeutschland zerreißt man sich das Maul über die angebliche moralische Verfehlung einer Schauspielerin und findet gleichzeitig die Konzentrationslager mit keinem Wort erwähnenswert. Auch Kritiker, die Knefs Auftritte auf Berliner Boulevardbühnen enthusiastisch gefeiert haben, zeigen sich nun pikiert. Die schlimmsten Verrisse kommen natürlich von den Kanzeln.

 

                          „Gott ist keine Frage für mich – ich glaube an ihn“

 

Amerika zeigt sich von alledem wenig beeindruckt. 675 Aufführungen von Cole Porters „Silk Stockings“ am Broadway vergrößern nur ihren Ruhm. Film und Theater stehen bis in die 60er Jahre im Zentrum ihres Schaffens. Doch schon in den 50er Jahren tritt sie als Chanson-Sängerin mit zunehmendem Erfolg auf.

 

         „Ich hatte nie den Ehrgeiz, gut zu singen“

 

 1962 heiratet sie ein zweites Mal, diesmal den Engländer David Cameron, den Vater ihrer 1968 geborenen Tochter Christina. Während die Auftritte als Schauspielerin seltener werden, wird sie 1968 als beste deutschsprachige Sängerin ausgezeichnet.

 

                                 „Man sollte über das schreiben, was man kennt“

 

Sie schreibt über 270 Texte - unzählige werden zu Hits, einige sogar zu Evergreens- und zwar mit einer Direktheit und einer Ironie, wie sie sonst im deutschen Schlager jener Jahre kaum zu finden ist. Die Knef vertraut in die zerebralen Momente der Erotik, die vielleicht noch verführerischer sein können als kokette Augenaufschläge unter einem verschleierten Hütchen. Und sie beginnt, Bücher zu schreiben (1964 „Die Festung“, 1970 „Der geschenkte Gaul“, 1975 „Das Urteil“ u.v.m.


                      „Schicksalsschläge machen nicht weise, sondern banal“

 

 1973, inzwischen in dritter Ehe mit Paul von Schell verheiratet, wird sie erstmals an Krebs operiert. 55 weitere Operationen folgen.

 

                                                                    „Schmerz ist unteilbar“

 

 Der Kampf gegen diese Krankheit nimmt fortan einen Großteil ihrer Zeit und Kraft in Anspruch. Die Auftritte werden seltener, einer großen Welttournee 1980 bleibt der Erfolg versagt.


 “Manchmal bin ich sehr hautlos und verletzbar. Dann stehe ich allein auf der Konzertbühne und spüre, dass in der fünften Reihe links jemand nur gekommen ist, um mich nicht zu mögen“

 

Zwischen 1982 und 1989 entzieht sie sich mit ihrer Familie in Los Angeles der deutschen Öffentlichkeit und lebt danach mit ihrem Mann zurückgezogen in Berlin. In den 90er Jahren spielt sie mit der Rockband „Extrabreit“ noch einmal ihr Chanson „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ ein.

 

 „Ich habe meine Lieder nie als etwas Statisches angesehen...ich finde es spannend, sie der Zeit entsprechend interpretiert zu hören“

 

 Doch schon den Ehren-Bambi für ihr Lebenswerk kann sie 2001 nicht mehr persönlich entgegennehmen.

Am 1. Februar 2002 stirbt Hildegard Knef in Berlin, wo sie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt wird.

 

 „Von all meinen Fähigkeiten ist mir Singen die liebste gewesen...“

 

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